erratische und nicht erratische Findlinge in der Wildeshauser Geest

Bewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

Karpetstein, Bissel

König Och, Ahlhorn

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Übersichtskarten

falsches Steingrab, Steinloge

Findlinge nahe der Braut

Stripenstein, Steinloge

Findlinge Schnitgershöhe

Findling Hagel, Großenkneten

 Findling Sandhatten

Für die Lagepläne wurden Karten von www.earth.google.com verwendet. 


 

Karpetstein, bei Großenkneten, in Bissel, (+) (in meiner Übersichtskarte die Nr. 58)
Der "Karpetstein" (auch "Capett-" oder "Kapitstein") ist ein gigantischer Findling, der im Garten eines Privathauses in Bissel bei Sage liegt. Es ist der zweitgrößte erratische Stein, den ich im Oldenburgischen kenne und misst 3,0 x 2,6 x 1,6 m.
Der Sage nach ist es ein sog. Gleitstein, d.h. Frauen, die sich Kinder wünschen, sollen die glatte Fläche des Steins hinunterrutschen, damit ihr Wunsch erfüllt wird.
Vor einigen Jahren wurden an seiner Nordseite zwei sog. Näpfchen entdeckt, die von Menschenhand eingetieft und in der Bronzezeit zu Kultritualen genutzt worden sind.
Wo der Name herstammt, konnte ich leider nicht ermitteln. Es gibt nur einen HInweis auf das lateinische "caput" = "Kopf", aus dem im Laufe der Zeit Kapet gewurden ist.
T. Runge wies auf eine weitere Deutungsmöglichkeit hin: Ka, Ko könnte für "Grenze" und Pit, Pith für "Sumpf" stehen. In der Nähe liegt das "Alte Moor", das lange Zeit ein Grenzmoor war.

Position: 52° 57,137 N, 8° 10,397 E
 

 

 


König Och, zwischen Ahlhorn und Sage, (+) (in meiner Übersichtskarte die Nr. 59)

Der Stein „König Och“ ist ein großer Granitfindling an der Straße von Ahlhorn nach Sage, kurz vor Regente.
Er ist interessant, weil sich um ihn zahlreiche Geschichten ranken.
Denen zufolge war Och ein fremder König, der mit seinem Heer an diesem Stein ausruhte, und dort einen Friedensvertrag unterzeichnen wollte. Er hatte aber sein Siegel vergessen und sagte: „Och, ik hebb mien Petschaft vergeten“. Seitdem heißt der Stein „König Och“. Anderen Sagen zufolge war Och ein Riese (Hüne), und der Stein soll z.B. aus einem Loch in einem der Zähne des Königs bzw. aus seinem Holzschuh herausgefallen und dort liegen geblieben sein.
Der Riese Och soll in der Sager Heide gewohnt haben, und zahlreiche Namen in der Gegend von Großenkneten sollen auf ihn zurückgehen. Ich zitiere folgende Beispiele, die aber wohl von sehr großer Phantasie zeugen:
Och hatte ein Sommerhaus südöstlich von Großenkneten, weshalb die Gegend heute noch „Pallast“ heißt. Bei einem Unwetter musste er einmal in einem Bauernhaus Schutz suchen, daher der Name „Hagel“. „Regente“ soll sich demnach daher ableiten, dass Och ein anderes Mal dort vor einem fürchterlichen Regenschauer unter stellte.
(Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Regente sich vom altdeutschen „Regte“ = „baumbestandene Feldumwallung“ ableitet).


 

falsches Steingrab südöstlich von Steinloge (+)
(in meiner Übersichtskarte Nr. 19-21)

Zwischen der Autobahnabfahrt Wildeshausen West und Schnittger's Höhe geht von der B 213 den Varnhorner Weg ab. Man fährt diesen kurz nach Süden, bis links der erste Fahrweg abgeht. Dort gegenüber folgt man dem Waldweg nach Westen bis ein geschotterter Waldweg quert. Auf diesem einige Meter nach Norden liegen links 8 große Findlinge aufgetürmt, dass man denken könnte, es sei ein Grab - es ist aber definitiv keines!
Diese Findlinge wurden beim Aufräumen nach dem großen Orkan Quimburga 1972 vom Baggerfahrer Günter Pacholke dort zusammengetragen, "damit man sich immer an ihn erinnere".
Am 13.11.1972 fegte "Quimburga" mit Windstärke 14 über Norddeutschland, der innerhalb von anderthalb Stunden unermessliche Schäden in den Wäldern der Wildeshauser Geest anrichtete und ganze Wälder dem Erdboden gleich machte.
An diesen Sturm erinnern zahlreiche Gedenksteine im ganzen Land, von denen einige hier vorgestellt werden.
Siehe Kreuz östl. v. H 6 im Lageplan unten.

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Findlinge südwestlich der Visbeker Braut (-)

Wenn man von der Braut aus dem Brautweg ca. 5 Minuten nach Westen, Süden und wieder nach Westen folgt, liegen rechts im Wald drei Findlinge auf einer kleinen Lichtung. Sie wurden bei Aufräumarbeiten nach dem großen Sturm "Quimburga" 1972 (s.o.) dort abgelegt, der mittlere trug füher eine Inschrift, die an den großen Sturm erinnerte, und die heute nicht mehr zu erkennen ist.
(siehe Kreuz südl. v. 952 unten im Lageplan)


Riesenfindling Stripenstein Steinloge, nordwestlich des Campingplatzes, (+) (in meiner Übersichtskarte Nr. 61)

Direkt am Feldrand nordwestlich vom Campingplatz "Bürgerpark" neben dem Restaurant "Visbeker Braut" liegt der größte Findling im Oldenburger Land. In älterer Literatur finden sich für ihn die Namen Stripenstein oder Trippenstein. 1896 war er 7,3 x 4,4 x 1,2 m groß.
Er hat ursprünglich mitten im Feld "beim Ellernbroke" gelegen und wurde vor mehreren Jahren an den Feldrand umgelagert. Diesen Transport hat er leider nicht unbeschadet überstanden und er besteht heute aus vielen Bruchstücken. Reste von Bohrlöchern zeugen auch von zahlreichen Versuchen, den Stein durch Sprengungen kleiner zu machen, was z.T. auch gelungen ist.
Der größte Brocken ist aber auch heute noch sehenswert, und man muss sich nur vor Augen halten, dass diese Kolosse während der Eiszeiten vom Eis von Norwegen in unsere Gegend transportiert worden sind.
In der Literatur habe ich folgende Daten gefunden: 6 x 7,3 x 2 m, 78 Tonnen, wobei ich vermute, dass sich diese Maße auf den ursprünglichen, unzerbrochenen Findling beziehen.


Findling Schnitgers Höhe, östlich von Ahlhorn (-)
Direkt neben dem Gasthaus Schnitgers Höhe, zwischen Ahlhorn und dem Autobahnanschluss Wildeshausen West liegt ebenfalls ein sehr großer Findling.
 

 

Findlinge südlich von Schnitgers Höhe (-)

Neben der Einfahrt zur Biogasanlage Schnitgers Höhe führt eine ehemalige Allee links am Feld vorbei nach Süden. Im südlichen Teil kurz vor der Autobahn stehen noch sehr schöne Bäume. Nach ca. 500 m liegen links 2 Findlinge, bei denen es sich vermutlich um Reste des Aufräumens nach dem großen Sturm von 1972 handelt.
(Kreuz westl. v. H 6 im Lageplan oben) 

 

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Findling bei Großenkneten-Hagel, westlich der Hageler Höhe (-)
Der oben rechts dargestellte, schöne Brocken liegt als Naturdenkmal am Rand eines Feldes ca. 100m westlich der Hageler Höhe.


Findling in Sandhatten, mitten im Ort, (-), (in meiner Übersichtskarte Nr. 60)

In Sandhatten hat man im Ortszentrum auf einer kleinen Wiese einen riesigen Granit-Findling mit einer Informationstafel ausgestellt (+ auf der Karte in Sandhatten).
Dieser Tafel ist zu entnehmen, dass der Findling (wie viele andere seiner Art) während der Saale-Eiszeit vor 235.000 bis 125.000 Jahren aus einer Gegend zwischen dem östlichen Mittelschweden und Westfinnland zu uns transportiert worden ist. Das Granitgestein selbst ist natürlich viel, viel älter.
Der Findling wurde 1996 bei Bauarbeiten ausgebuddelt, hat 10,2 m Umfang und ist 22 Tonnen schwer.
Wenn so ein Findling ganz alleine in der Landschaft herumliegt, spricht man von sog. "solitären" oder "erratischen" Findlingen.

 

Darüber hinaus gibt es eigentlich in jedem Ort goße Findlinge, die solitär als Gedenksteine oder in mehr oder weniger großer Menge als Kriegerdenkmäler, Grundstückseinfriedungen, Gebäudefundamente etc. dienen, und die nicht alle hier erwähnt werden können.


Copyright: B. Rothmann V 1, alle Fotos von 2006 bis  2008, Seite zuletzt geändert am  26.8.10