Die Ausgrabung der Großen Steine 1934 bis 1937

Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte der Altertumsverein Oldenburg angeregt, eine Grabung an einem Großsteingrab in Steinkimmen durchzuführen. Diese Pläne wurden aber geändert, statt dessen sollten die Großen Steine 1 von Kleinenkneten ausgegraben werden.
Diese Änderung fand statt, weil H. Wille zwischenzeitlich seine unter Fachleuten umstrittene Theorie aufgestellt hatte, Hünenbetten seien altgermanische Kulthäuser gewesen, die ähnlich wie die Schafkoben Nordwestdeutschlands aufgebaut waren.
Um diese Theorie zu widerlegen, sollte die Grabung an einem Hünenbett durchgeführt werden. Die berühmten Anlagen Visbeker Braut und Bräutigam sollten unangetastet bleiben, und so fiel die Wahl auf die Kleinenkneter Steine.

Die Kleinenkneter Gräber lagen zu der Zeit in einer mit Kiefern bestandenen Parzelle und waren selbst lediglich mit Heide bewachsen. Vom größeren Grab standen noch die meisten Umfassungssteine, die aber z.T. vom auseinandergeflossenen Hügel bedeckt waren. Von der mittigen Grabkammer war lediglich ein Deckstein mit Sprenglöchern zu erkennen. Einige Steine waren angeblich für den Bau der Goldenstedter Kirche verwendet worden.

Am 5.6.1934 begannen die Vermessungsarbeiten, von denen keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Prof. Dr. Jakob-Friesen leitet Anfangs die Grabung, die nach 3 Wochen von Karl Michaelsen, dem damaligen Diektor des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg, übernommen wurde. Ab und zu mussten die Arbeiten wegen kurzfristigem Geldmangel unterbrochen werden, aber bis November 1936 war die Untersuchung der beiden Hünenbetten von Kleinenkneten abgeschlossen. 1937 gab es Unterstützung durch den Reichsarbeitsdienst, und November 1937 waren die Großen Steine 1 als rekonstruiertes Hünenbett fertig gestellt. Darum herum wurde ein Eichen-/Birkenwald angepflanzt, wie er in der Jungsteinzeit vorhanden gewesen sein soll.

Danach wurden bis zum Kriegsausbruch noch kleinere Arbeiten erledigt, die dann mit Beginn des zweiten Weltkrieges ganz eingestellt wurden. Somit blieb das Hünenbett 2 absichtlich offen liegen.

Ursprünglich waren nur Teiluntersuchungen der Gräber vorgesehen gewesen, aber mit jedem Befund stieg die Notwendigkeit, beide Gräber komplett auszugraben. Dabei wurden die existierenden Grabanlagen vollständig zerstört, und es stellte sich die Frage, ob man den Zustand von 1935 wiederherstellen oder eine exemplarische Rekonstruktion durchführen sollte. Wie man heute sieht, wurde Hünenbett 1 in seiner jungsteinzeitlichen Form zu rekonstruieren versucht, wohingegen Hünenbett 2 offen liegen blieb, um die drei Grabkammern besser sichbar zu lassen.

Hünenbett 1:

Die Grabkammer:
Die mittig liegende Grabkammer wies eine Länge von 7 m auf und war trapezförmig, d.h. am einen Ende 2 und am anderen 2,5 m breit. Zwischen Bodenpflaster aus Geröllsteinen und Deckstein war sie 1,6 bis 1,7 m hoch. In jüngerer Zeit (vor 1936) war in ihr amateurhaft gegraben worden. In der Kammer lag der Deckstein des Ganges. Die 11 Trag- und Abschlusssteine der Kammer waren 60 - 70 cm in den gewachsenen Boden eingelassen worden; der Rest der Träger plus Deckstein wiesen so eine Höhe von ca. 2,5 m über Bodenniveau auf.
Normalerweise wurden von den Steinzeitleuten die Trag- und Umfassungssteine so gewählt, dass sie immer eine von den Gletschern geglättete Oberfläche haben, die z.B. in den Grabkammern die Innenwände bilden. Einige Tragsteine und auch Steine der Umfassung in Kleinenkneten wiesen auf ihrer glatten Seite aber so grobkristalline Strukturen auf, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Baumeister einzelne Findlinge gezielt gespalten haben, um geeignete Wandsteine zu erhalten.
In der Kammer fanden sich heile und beschädigte Gefäße, zahlreiche Keramikscherben (Trichterbecherzeit), Steinbeile, Pfeilspitzen und Bernsteinperlen.
Über Zahl und Art der Bestattungen konnte keine Aussage gemacht werden.
Da nur ein originaler Deckstein erhalten war, mussten die beiden andere Decksteine bei der Restauration durch künstliche Steine ersetzt werden. Zur besseren Ausleuchtung und belüftung der Kammer wurde auf der Rückseite eine Aussparung im Hügel und der Einfassung vorgesehen (Foto rechts)

Die Umfassung:
Die Einfassungssteine steckten zu Anfang der Grabung noch tief im Hügel und wirkten recht unscheinbar. Erst nach ihrer Ausgrabung wurde deutlich, dass es sich um bis zu 1 x 2 m große Kolosse handelt. Lücken zwischen den Tragsteinen waren sorgfältig mit eingeklemmtem Trockenmauerwerk gefüllt, das zu Beginn der Grabung oft noch bis über die Hälfte der Steinhöhe erhalten war. Die Menge der gefundenen Packsteine deutet darauf hin, dass das Zwickelmauerwerk bis zur Oberkante der Tragsteine gereicht haben muss. Da das Zwickelmauerwerk außen sehr sorgfältig ausgeführt worden war, muss daraus abgeleitet werden, dass die Umfassungsteine und ihr Zwickelmauerwerk ursprünglich außen frei sichtbar ausgeführt waren, und nicht etwa in einem Hügel verborgen waren. Innen war das Zwickelmauerwerk sehr grob ausgeführt, was dafür spricht, dass der Innenraum des gesamten Hünenbettes nicht genutzt, sondern mit Erde aufgefüllt wurde.
7 Steine der Einfassung waren in jüngerer Zeit entfernt worden.

Der Erdhügel:
Zum Erdhügel des Grabes, der sich im Inneren der Einfassungsteine befand, ist zu sagen, dass die ursprüngliche, jungsteinzeitliche Bodenoberfläche eben unten dem gesamten Grab ansteht. Auf ihr muss vor der Errichtung des Grabes Eichen-/Birkenwald gestanden haben. Die Grabung hat ergeben, dass auf der geglätteten Bodenoberfläche in einem Arbeitsgang die Aufschüttung des Erdhügels im Inneren der Einfassungssteine erfolgt ist, nachdem Grabkammer und Einfassung fertiggestellt waren.
Im Hügel wurden zwei neuzeitliche, aber wieder verfüllte Gruben entdeckt, aber keinerlei Hinweise auf weitere jungsteinzeitliche Nutzung oder spätere Nachbestattungen.

Hünenbett 2:

Aus Kostengründen sollte zuerst nur das Hünenbett 1 ausgegraben werden, aber Jakob Friesen hatte beí der Freilegung der Grabkammer von Grab 1 angeordnet, auch einen Schnitt durch die Mitte des Hünenbettes 2 zu legen, um den Hügel beider Gräber vergleichen zu können. Dabei wurde in Grab 2 eine dritte, bis dahin unter dem Erdboden verborgene Kammer entdeckt. Daraus ist auch zu ersehen, wie tief das gesamte Hünenbett 2 damals noch in der Erde gesteckt hatte. Nur die beiden Schmalseiten und die Decksteine der äußeren Kammern hatten aus dem Boden herausgeragt.
Da die rechteckige Umfassung außerdem in der Mitte eingeschnürt wirkte, kam sofort der Verdacht auf, dass es sich um ursprünglich zwei separate Kammern gehandelt haben könnte, zwischen die später eine dritte Kammer gebaut wurde, und das ganze mit einer durchgehenden Umfassung wie bei einem Hünenbett umgeben worden war. Diese und andere Fragen sollte durch eine Ausgrabung geklärt werden.
Die folgende Skizze stellt den heutigen Zustand des Grabes dar:
 

Die mittlere Kammer: (Foto links)
Die neu entdeckte mittlere Kammer ist ein Ganggrab mit 11 Trag, 6 Deck- und 4 Gangsteinen. Die Steine sind deutlich kleiner als in den beiden benachbarten Kammern. Die Decksteine 2 und 3 erwiesen sich als zwei Hälften eines gespaltenen Findlings. Der relativ lange, nach Süden zeigende Gang ins Grab war früher vermutlich mit Holz abgedeckt, weil kein Gang-Deckstein zu finden war. Beim Öffnen der 1,6 bis 1,7 m breiten Kammer wurden mehrere heile Gefäße geborgen, so dass anzunehmen ist, dass diese Kammer während der letzten Jahrtausende ungestört geblieben war.

Die nordöstliche Kammer: (Foto rechts)
Hier waren bis auf einen und ein Bruchstück alle Decksteine weggeschleppt worden. Die Tragsteine ragten ein Stück aus dem Boden heraus. Auch hier war der Gang (im Süden) vermutlich mit Holz abgedeckt gewesen. Die 2 m breite Kammer war offenbar schon früher durchwühlt worden, die Keramikgefäße waren alle zerbrochen.

Die südwestliche Kammer: (Foto links)
Die  Kammer wurde erst im Sommer 1936 ausgegraben. Michaelsen schreibt, dass 5 Decksteine lagen auf den 12 nur mit den Spitzen aus dem Boden ragenden Trägern. Hinweise auf Grabungstätigkeit und Bohrlöcher in zwei Decksteinen zeigen, dass man bereits versucht hatte, Steine aus diesem Grab fortzuschaffen. Michaelsen schreibt, dass die Sprengversuche ohne Erfolg gewesen seien. Heute ist ein Deckstein aber in vier Teile zerborsten, von denen 2 fehlen, und insgesamt sind nur 3 vollständige und ein in zwei Teile gespaltener Decksten zu sehen.
Nachdem die Decksteine abgenommen worden waren, zeigte sich, dass die Kammer noch unberührt war. Neben zahlreichen Gefäßen und Keramikscherben wurde eine sog. "Lampe" gefunden, ein Gefäß mit 6 Tüllen aus denen angeblich Dochte herausgeragt haben sollen. H.-W. Beissert stellte vor kurzem die Theorie auf, dass es sich um ein
"Zwirngefäß" handele, d.h. um eine Spinnhilfe, aus deren Öffnungen die Fäden herausgeführt wurden.
Der Eingang zu diesem Grab, wieder ohne Deckstein, zeigte anders als bei den anderen beiden Kammern nach Norden.

(die Fotos oben sind leider alle aus neuerer Zeit, alte Fotos gibt es in der u.g. Literatur)

Literaturquelle: K. Michaelsen, Die Ausgrabung der beiden Hünenbetten von Kleinenkneten 1934, Oldenburger Jahrbuch 75/76, 1975/76, Seite 242, Oldenburg 1978, ISSN 0340-4447


Copyright: B. Rothmann V 3, Seite zuletzt geändert am  6.8.10