gesprengte Großsteingräber


Sprengungen und Sprengversuche

Wo die Deck- und Tragsteine der Großsteingräber zu groß zum Abtransport waren, versuchte man sie zu sprengen. Wenn man alte Fotos betrachtet, so muss dies insbesondere in der Zeit zwischen 1900 und 1930 erfolgt sein. Obwohl auf diesen alten Fotos meist Besucher zu sehen sind, die im feinsten "Sonntagsstaat", d.h. in ihrer besten Kleidung in den Gräbern stehen und offensichtlich stolz auf auf diese Vorzeitz-Denkmäler sind, muss in dieser Zeit auch eine regelrechte "Sprengbegeisterung" geherrscht haben. Ich habe auf dieser Seite Fotos aus den verschiedenen Großsteingräbern der Wildeshauser Geest zusammengefasst, auf denen Bohrlöcher und gesprengte Steine zu sehen sind, und ich musste leider feststellen, dass es nur wenige Gräber ohne Sprengversuche gab. Für Großsteingräber in anderen Landkreisen gilt natürlich Vergleichbares.
Mehrere Fotos unten zeigen unbeschädigte Bohrlöcher, d.h. in diesen Fällen wurde die geplante Sprengung glücklicherweise nicht durchgeführt.
Sprenglöcher findet man übrigens nicht nur an Steinen der Großsteingräber, sondern auch bei denen, die z.B. als Fundamente von Schafställen etc. verwendet wurden. Da auch große solitäre Findlinge auf der Feldmark gesprengt wurden, muss nicht jeder Stein mit Borhloch von einem Megalithgrab stammen.
 


Reckumer Steine 1, 811,
Bohrloch mitten in einem Deckstein


Reckumer Steine 2, 812,
Reste des Bohrloches in gesprengtem Deckstein


Bakenhuser Grab, 932,
Reste des Bohrloches in gesprengtem Deckstein


Ahlhorner Kellersteine, 940,
gesprengter Deckstein


Ahlhorner Kellersteine, 939,
Bohrlöcher in gesprengtem Deckstein


Steinloger Kellersteine, 941,
Reste des Bohrloches in gesprengtem Deckstein

Große Steine von Thölstedt,
 
953,  zerbrochener Deckstein, an dem allerdings keine Bohrlöcher zu erkennen sind.


Holzhausen 2,
955,
Bohrloch in einem neben dem Grab liegenden Stein (Rest eines Deck- steines?)


Hohe Steine, 956,
Bohrloch mitten in einem Deckstein


Kleinenkneten, Grab 2, 958, Reste von Bohrlöchern in gesprengten Decksteinen


Kleinenkneten, Grab 2, 958,
Bohrloch mitten in einem Deckstein

 
Kleinenkneten, Grab 1, 957,
Bohrlöcher in Deckstein


 
Heidenopfertisch, 974,
gesprengter Deckstein


Heidenopfertisch, 974,
links drei Bohrlöcher im gesprengten, riesigen Deckstein bzw. dem abgebrochenen Teil , rechts ein anderer, gespaltener Decksteinrest

 
Mühlensteine, 976,
ganz links Bohrloch mitten auf dem großen Deckstein, daneben Reste von Bohrlöchern in anderen Steinen des Grabes


Schmeersteine, 977,
gesprengter Deckstein, in dem kein Bohrloch zu sehen ist

 
nicht fertig gestelltes Bohrloch im
großen Deckstein des Grabes

am Schießstand
, 944


zerstörtes Grab
Hohe Steine bei Varnhorn,
Reste von Bohrlöchern in gesprengten Bruchstücken, die in dem völlig
ausgeräumten Grab verblieben sind

 
Glaner Braut, Grab 1, 948,
Reste des Bohrloches in gesprengtem Tragstein 

 Fundamentstein eines Schafkobens in Ahlhorn am Rüspelkämpe

keine Hinweise auf Sprengversuche habe ich gefunden bei:
- Steenberg, Sandhatten, 926, es fehlen allerdings mehrere Decksteine, bei denen Sprengungen nicht auszuschließen waren
- Huntlosen Wittenhöge, 931, allerdings fehlen alle Decksteine, bei denen Sprengungen nicht auszuschließen waren
- Ahlhorn Bakler Berg, 933, allerdings fehlen alle Decksteine, bei denen Sprengungen nicht auszuschließen waren
- Visbeker Bräutigam und unmittelbar benachbarte Gräber, 934 - 938
- Visbeker Braut, 952- Egypten, Dötlingen, 943, es fehlen allerdings Decksteine
- Gerichtstätte, Dötlingen, 944, es fehlen allerdings Decksteine
- Glaner Braut, Gräber 2 - 4, 949 - 951, allerdings fehlen viele Decksteine, die durchaus gesprengt worden sein können
- Holzhauser Kellersteine 954, allerdings fehlen viele Decksteine, die durchaus gesprengt worden sein können

extreme Plünderungen haben stattgefunden bei:
- Steinkimmen 3, 929, die meisten Steine wurden fortgeschafft
- Huntlosen Wittenhöge, 931, es fehlen alle Decksteine und zahlreiche Tragsteine
- Bakenhus 932, es fehlen Deck- und Tragsteine
- Ahlhorn Bakler Berg, 933, es fehlen alle Decksteine und zahlreiche Tragsteine
- Grab 938 beim Visbeker Bräutigam, es fehlen viele Decksteine
- Schießstand, Dötlingen, 945, beim Bau des Schießstandes wurde das halbe Grab entfernt
- Grab 951 bei der Glaner Braut, es fehlen Deck- und Tragsteine
- Holzhauser Kellersteine, 955, es fehlen alle Decksteine und zahlreiche Tragsteine
- Heidenopfertisch, 974, das östliche Ende wurde geplündert
- Stüvenmühle, 975, alle Umfassungsteine fehlen


Copyright: B. Rothmann V 2, zuletzt geändert am  31.7.09