8. Großsteingräber bei Sandhatten, Steinkimmen und Stenum

für Interessierte: ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund zu den Großsteingräbern --> hier klicken 
Grabbewertung: (+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker
 

51. Großsteingrab Hatten 1 (925)

52. Großsteingrab Steenberg (Hatten 2) (926)

zur Übersichtskarte

53.-55. "Hünensteine 1-3", Steinkimmen (928-929)

56. Großsteingrab Stenum (930)

(die 900er Nummern hinter den Gräbern geben die offizielle Katalogisierung der Großsteingräber nach E. Sprockhoff wieder)
Für die Lagepläne wurden Karten von www.earth.google.com verwendet.

Grab 924 liegt bei Rastede und wird auf einer anderen Seite behandelt.


51. Großsteingrab "Hatten 1" in Sandhatten (-),
Sprockhoff-Nr. 925
(in meiner Übersichtskarte die Nr. 51)

Dieses noch ca. 8 x 2 m große Großsteingrab liegt in einem eingezäunten, privaten Wiesengrundstück und kann, wenn überhaupt, nur im Winter besucht werden. Von der Straße aus kann man lediglich einige Findlinge in einem Gebüsch ausmachen.
Das Grab, von dem nur noch schäbige Reste erhalten sind, lohnt auch eigentlich keinen Besuch; es sind nur noch 6 Steine erhalten. 
Das Grab soll ursprünglich 12 m lang gewesen sein. In den 1930er Jahren wurden hier Grabungen vorgenommen, bei denen ca. 5 Zentner Scherben freigelegt wurden, die 250 verschiedenen Gefäßformen zugeordnet werden konnten. Außerdem viele Feuerstein-Pfeilspitzen, Flintäxte und Bernsteinperlen. Die zahlreichen Funde wanderten ins Museum nach Oldenburg. Interessant ist auch, dass in dem Grab später noch eine  bronzezeitliche Brandbestattung erfolgt ist.
In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte der Besitzer im Grab eine Kartoffelkuhle angelegt. Dabei kamen nochmals viele Scherben zum Vorschein, die u.a. von Kindern gesammelt und verkauft wurden.
D.h. dieses Grab muss einmal sehr bedeutend gewesen sein, bevor es zerstört wurde. 

Position: Garmin: N 52° 00,623’, E 08° 19,476’
              Google Earth: 52° 00'21,03" N, 8° 18'59,31" O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

nach oben


 


Die Anfahrt zum Steenberg ist dem Lageplan oben zu entnehmen. Man verläßt Sandhatten in Richtung "Ostrittrum" und folgt den Ausschilderungen zum Steingrab.

Position: Garmin:
N 52° 59,922’, E 08° 19,914’
              Google Earth: 52° 59'55,38" N, 8° 19'54,55" O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

nach oben

52. Großsteingrab Hatten 2 = "Steenberg", südöstlich von Sandhatten (++), Sprockhoff-Nr. 926 (in meiner Übersichtskarte die Nr. 52)

Dieses zweite Sandhatter Großsteingrab kann besucht werden und hier lohnt sich der Besuch, denn das Ganggrab ist relativ gut erhalten und liegt unter malerischen Eichen. Die sechs großen Decksteine waren wohl der Anlass, warum die Hattener das Grab "Steinberg" (Steenberg, Stehenberg) nannten.
Die Kammer ist 16,5 x 2,5 m groß, 20 Tragsteine, d.h. alle bis auf 2, sind noch vorhanden. Außerdem gibt es noch Anzeichen, dass das Grab von einer ovalen Einfassung umgeben war.
Beim „Steenberg“ haben bisher keine Grabungen stattgefunden, und die Lage der Steine ist offensichtlich seit 1929, als Sprockhoff das Grab aufzeichnete, unverändert.
Im großen östlichen Deckstein befindet sich ein Bohrloch für eine geplante Sprengung.
Die große Eiche am Anfang des Grabes hat es bereits voll in Besitz genommen.
(Foto unten links)

Aprospos Besitz: Ende September 2008 meldete die lokale Presse den Verkauf des Großsteingrabes Steenberg durch das Forstamt Neuenburg an die Gemeinde Hatten. Der Bürgerverein Sandhatten hat am 20.9.08 die Pflege des Großsteingrabes übernommen und kurz danach mit Pflegearbeiten an der Grabanlage begonnen. Die gesamte Kammer wurde oberflächlich aufgeräumt, Wildwuchs wurde entfernt und das Ganze sieht jetzt sehr gepflegt aus (die Fotos geben noch den früheren Zustand wieder).


Steinkimmen, dessen Ortsname so etwas ja schon erahnen lässt, bietet nah beieinander gleich drei Großsteingräber. Die beiden gut erhaltenen sind leicht zu erreichen, das dritte wurde zerstört und ist schwerer zu besuchen.
Der Sage nach sind die Gräber das Überbleibsel von "ballspielenden" Riesen, die sich wohl gegenseitig die Steine zugeworfen haben.
Um die Steinkimmer Gräber zu besuchen, fährt man von Kirchhatten aus die L 888 in Richtung Dingstede. Bei Steinkimmen geht von L 888 rechts die Straße nach Bergedorf ab; an dieser Kreuzung sind die Hünensteine bereits ausgeschildert. An der Bergedorfer Straße liegt nach ca. 50 m rechts ein langgestreckter Parkplatz, an dessen Nordseite das Hünengrab 2 liegt.
 

54. "Hünensteine 2" in Steinkimmen (++),
Sprockhoff-Nr. 928
(in meiner Übersichtskarte die Nr. 54)

Ich beginne mit den Hünensteinen 2, weil dieses Grab normalerweise immer zuerst besucht wird. Es liegt direkt an einem Parkplatz an der Straße nach Bergedorf.
Obwohl nur noch ein Deckstein in Originallage erhalten ist, macht die
23 x 2 m große Steinkammer trotzdem einen imposanten Eindruck. Ich habe ca. 58 Steine gezählt, 6 davon dürften Decksteine gewesen sein. Einige Findlinge sind vermutlich Bruchstücke der zerstörten anderen Decksteine. Der ziemlich in der Mitte leigende Findling ist der sog. Tordeckstein, der auch den Eingang z.T. überdeckt hat. Man geht davon aus, dass die Kammer einmal 12 Decksteine gehabt hat. Beide Abschlusssteine markierne noch die Enden der Kammer. Der ehemals 3 m lange Zugang zur Kammer ist in der Mitte der Südseite ist klar zu erkennen (Foto rechts unten). 14 Steine sind der ovalen Einfassung zuzuordnen.
Die hellgrünen Kreisflächen in der Skizze rechts sind Bäume, die im Grab gewachsen sind. Die grün markierten Steine sind in Sprockhoffs Skizze von 1930 nicht vorhanden, der hellgraue, durchgekreuzte Stein war 1930 vorhanden und fehlt heute.

1933 hatte man geplant, das Großsteingrab auszugraben und zu rekonstruieren. Im Endeffekt war dann aber den Großen Steinen von Kleinenkneten der Vorzug gegeben worden, und man hat zwischen 1934 und 39 dort zwei Gräber ausgegraben und das größere rekonstruiert.

nach oben

 

 

Position: Garmin: N 53° 02,687’, E 08° 27,228’
              Google Earth: 53° 02'49,04" N, 8° 27'13,66" O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps


53. "Hünensteine 1" in Steinkimmen, (++),
Sprockhoff-Nr. 927
(in meiner Übersichtskarte die Nr. 53)


 

Man verlässt den Parkplatz der Hünensteine 2 nach Süden, und biegt gleich nach links in den Fahrweg ein. Nach ca. 100m liegt an der nächsten Wegkreuzung das Großsteingrab "Hünensteine 1".
Dieses Grab sieht im ersten Eindruck ziemlich unordentlich aus, aber man kann die Form der 18 m langen Grabkammer noch gut erkennen. Einer der beiden erhaltenen Decksteine
(Foto links) ist sehr groß und liegt am Ostende etwas vor der Grabanlage entfernt.
Als 1969 eine Infotafel aufgestellt wurde, fand man dabei Scherben, Pfeilspitzen aus Feuerstein und ein kleines Kupferröllchen. Daraus konnte man das Grab auf den zeitraum von 3300 bis 3000 v.Chr. datieren.
Ich habe 27 Steine gezählt, von denen 2 Decksteine gewesen sein dürften. Der größte misst 3 x 2,5 x 1,5 m.
Gegenüber der Bestandsaufnahme von Sprockhoff 1930 konnte ich 4 Steine mehr entdecken, sie sind unten dunkelgrün markiert. (Die hellgrünen Kreisflächen sind Bäume im Grabesbereich).
Interessant bei diesem Grab ist, dass man hier beim Zerkleinern abzutransportierender Steine keine Sprengbohrungen vorgenommen hat. Statt dessen sind an drei Steinen deutliche Keilabdrücke zu erkennen, die man in die ursprünglich größeren Findlinge hineingetrieben hat. An einem Stein im Südosten sind sechs derartige Markierungen an den Bruchkanten zu sehen.

Position: Garmin: N 53° 02,816', E 08° 27,228’
              Google Earth: 53° 02'41,89" N, 8° 27'02,84" O

 

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

nach oben


55. "Hünensteine 3" in Steinkimmen, (-), Sprockhoff-Nr. 929 (in meiner Übersichtskarte die Nr. 55)

Die Hünensteine 3 wurden 1786 oder 1787 zerstört.
Im Februar 2007 konnte ich nur noch16 Steine zählen, 7 im äußeren und 9 im inneren Bereich des Grabes. Davon waren zwei bis drei vermutlich Decksteine, deren größter mit Sicherheit zu groß für einen Transport war. Nach offiziellen Angaben sollen noch 17 Steine vorhanden sein.
52
Steine dieses Grabes sollen für das Fundament des Mausoleums auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof verwendet worden sein, wobei kein Stein weniger als 400 kg gewogen haben soll. D.h. das Großsteingrab muss sehr eindrucksvoll gewesen sein.
In der Literatur wird mal vom Grabmal der Herzogin Elisabeth (Sprockhoff) und mal vom Grabmal der Herzogin Friederike von Holstein-Gottorp (E. v. Bengen) gesprochen. Ich habe diesen Friedhof besucht. Dort gibt es großes, mehrstöckiges Mausoleum der oldenburgischen Herzogsfamilie, in dem auch Elisabeth und Friederike beerdigt sind. Der Bau wurde vollständig aus Ziegeln errichtet und die Tür ist verschlossen. Wenn die Steine dieses Großsteingrabes dort verwendet wurden, müssen sie sich im Fundament des Mausoleums befinden
.
1895 sollen noch 17 Steine verblieben gewesen sein.
Sprockhoff hatte das Grab 1930 untersucht. In seiner Skizze sind noch zwei Steine mehr als heute zu erkennen (hellgrau und durchgekreuzt). Dafür liegt heute am Westrand ein zusätzlicher Stein, vermutlich wurde er aus der Mitte verlagert. Die hellgrünen Kreisflächen sind Bäume, die im Grab gewachsen sind.
1969 wurden Grabungen an den "Hünensteinen 3" vorgenommen.

Man erreicht die Steine, indem man unmittelbar südlich der Kreuzung L288/Bergedorfer Str. den Feldweg nach rechts und dann wieder nach Süden wählt. Diesem Weg folgt man bis zum Ende, wo links in dem kleinen Wäldchen die Reste des Grabes liegen

Position: Garmin: N 53° 02,457’, E 08° 27,060’
              Google Earth: 53° 02'27,33" N, 8° 27'03,71" O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

 

 


Großsteingrab am Barenkamp
Ein
viertes Steinkimmer Megalithgrab lag westlich von Steinkimmen und nördlich des Weges zum Haus "An der Bäke". Auch von diesem Grab berichten die Quellen, dass es 1787 zersprengt und zum Bau des Grabmales der Herzogin Elisabeth verwendet worden sein soll. Auch hier sollen 1819 noch 23 und 1895 noch 17 Steine vorhanden gewesen sein.
Es stellt sich die Frage, ob hier den Chronisten nicht Verwechselungen unterlaufen sind. Anderseits ist es aber auch möglich, das für den Bau des Mausoleums auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof zwei Großsteingräber geplündert wurden.

Der Hobbyarchäologe General Wardenburg hat 1813 in einer Skizze eine große Zahl geordneter Steine bei Steinkimmen eingezeichnet.
 

Auch bei Dingstede soll es früher Großsteingräber gegeben haben. Schließlich ziert ja auch ein Grab das Ortswappen.
7 Megalithanlagen sollen auf relativ engem Raum gestanden haben. Von 1780 wird berichtet, dass ein Bauer 16 Steine auf seinem Acker vergraben hat. Winkelmann, der Chronist des Oldenburger Herzogs, schreibt 1826 von 4 Hügeln, die aus Steinen in ovaler Gestalt gebaut seien und die wiederum von Steinen umgeben waren. Das hört sich nach Ganggrab mit Umfassung an.
Es ist heute nicht mehr ganz klar, ob dabei auch die Steinkimmer Großsteingräber gemeint waren, oder ob es sich um andere Gräber direkt bei Dingstede handelt.
Zwei Großsteingräber sollen auch auf dem Hasenkamp gestanden haben.

nach oben


56. Großsteingrab Stenum, am Westrand von Stenum (+), Sprockhoff-Nr. 930 
(in meiner Karte die Nr. 56)

Das Stenumer Grab liegt zwar sehr schön unter einer Eiche auf einer kleinen Anhöhe, aber das Grab selbst ist leider stark zerstört. Es existieren noch 15 Tragsteine, die sich meist nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lage befinden. 1907 sollen noch 22 Steine vorhanden gewesen sein. Von den drei Decksteinen liegt einer auf den Tragsteinen, die anderen wurden gesprengt, und ihre Trümmer liegen  in der Kammer. Der Südwest-Teil des Grabes wurde fortgeschafft, so dass die ursprüngliche Größe des Grabes nur geschätzt werden kann; es waren vermutlich 15 x 1,80 m.
Im Vergleich zur Bestandsaufnahme durch Sprockhoff 1930 fehlen heute zwei Steine.
1974 gab es eine heiße Diskussion, ob das Grab rekonstruiert und die fehlenden Steine ersetzt werden sollten. Offenbar wurde eine Entscheidung gegen den Wiederaufbau getroffen.
Übrigens: Stenum heißt auf Neudeutsch Steinheim.

Position: Garmin: N 53° 04,497', E 08° 33,305'
              Google Earth: 53° 04'30,16" N, 8° 33'18,35" O

Der Weg zum Grab mit Google-Maps

 

 

 

nach oben


Weiterhin gibt es Geschichten über ein Großsteingab bei Stenum, in dem eine arme Familie gewohnt haben soll, bis es dem Landbesitzer zu viel wurde, und er dass gesamte Großsteingrab abgetragen habe.

In dieser Gegend sind in alten Quellen noch weitere Megalithanlagen verzeichnet:
- ein zerstörtes Großsteingrab bei Almsloh
-
ein zerstörtes Großsteingrab bei Ganderkesee
- ein
zerstörter, unbenannter Dolmen in Bookholzberg
- das
zerstörte Großsteingrab „Steenhafe“ südlich von Stenum.


Großsteingräber bei
- Ahlhorn und Steinloge

- Visbeker Braut
- Visbek, Endel, Halter
- Steinloge, Varnhorn und Thölstedt
- zwischen Bakenhus und Huntlosen
- Emstek, Garthe
- Wildeshausen

- Kleinenkneten und Reckum
- Dötlingen
Großsteingräber außerhalb der Wildeshauser Geest
Gräber, die es nicht mehr gibt               Sprengungen an Gräbern

(+++) unbedingt ansehen, (++) sollte man gesehen haben, (+) wenn man schon mal da ist..., (-) nur für Fanatiker


zur
Übersichtskarte


Copyright: B. Rothmann V 2, alle Fotos von 2006 und 2007, Seite zuletzt geändert am  23.4.10