Information über Großsteingräber
Geschichtliches
Das Wort
Megalithgrab leitet sich aus dem Griechischen ab. Mega heißt groß und lithos ist der Stein.
Die sog. Megalithgräber aus der Jungsteinzeit sind die ältesten Bauwerke
Nordeuropas. Erste Anlagen wurden bereits seit 4800 v. Chr. in der Normandie
und in der Bretagne errichtet. Die Großsteingräber der Wildeshauser
Geest sind etwa jünger, sie wurden zwischen 3500 und 2700 vor Chr., d.h.
vor mehr als 4700 Jahren gebaut. Für Begräbnisse genutzt wurden die
Anlagen aber noch bis zum Ende der Jungsteinzeit. Damit sind die Großsteingräber
älter als die meisten ägyptischen Pyramiden, deren Bau erst ab 2700
v. Chr. begonnen wurde.
Großsteingräber sind also keine primitiven "Nachahmungen"
der Prachtbauten aus dem Mittelmeerraum, sondern eindeutig ihre Vorgänger.
Aber während es im Innern der Pyramiden und auf zahlreichen anderen altägyptischen
Funden umfangreiche Hyroglyphentexte beschreiben, warum, von wem und zu wessen
Ehren und zu welchem Zweck die altägyptischen Bauten errichtet wurden,
haben wir bei den Großsteingräbern nur auf Forschungsergebnissen
basierende Vermutungen und Theorien.
Bis vor wenigen Jahrzehnten war man noch davon ausgegangen, dass die Grabanlagen
Norddeutschlands ca. 1000 Jahre jünger sind, aber Kohlenstoff-14- (C14-)
und Thermoluminiszenzanalysen haben ihr hohes Alter eindeutig nachgewiesen.
Auf einigen älteren Hinweistafeln findet man noch die falschen Altersangaben.
Zur Entwicklung der Großsteingräber gibt es
zwei unterschiedliche Theorien, auf die hier nicht weiter eingegangen werden
soll. Der ersten zufolge sind die Dolmen und Ganggräber des Nordischen
Kreises eine eigenständige Entwicklung, die zweite geht davon aus, dass
sich die Entwicklung der Megalithbauten aus dem südöstlichen Mittelmeerraum
über Frankreich bis Nordeuropa verbreitet habe. Für beide gibt es
gute Gründe, aber keine konnte schlüssig bewiesen werden.
Während man im Mittelalter noch glaubte, dass die Grabanlagen nur von Riesen errichtet worden sein könnten, sieht man die Sachlage heute folgendermaßen:
Die sog. Megalithkultur
erstreckt sich über das gesamte Nordwesteuropa, einige Inseln im Mittelmeer
und wenige Stellen Nordafrikas, wobei erstaunlicherweise hauptsächlich
küstennahe Zonen bebaut sind.
In Norddeutschland treten Großsteingräber
vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf,
wobei die Oder die Ostgrenze bildet.
Großsteingräber
in Norddeutschland werden in drei große, geographische Gruppen eingeteilt,
die sich z.T. auch durch ihre Bauart unterscheiden. Die auf diesen Seiten beschriebenen
Großsteingräber gehören zur sog. "Westgruppe", die
fast ausschließlich aus den unten näher beschriebenen Ganggräbern
der „Trichterbecherkultur“
(ca. 3500-2700 v. Chr.) besteht, wobei sich der Name von den typischen Tiefstich-Keramikfunden
in den Gräbern ableitet.
In
Dänemark herrschen dagegen die sog. Dolmen vor, und in anderen Gegenden,
z.B. auf Malta, wurden regelrechte Tempel gebaut.
Die nordwestdeutschen Megalithgräber der Westgruppe sind den niederländischen
Großsteingräbern sehr ähnlich, denn in der Jungsteinzeit war
das ein großer Siedlungsraum.
der abgebildete "Trichterbecher" kann im Visbeker Rathaus besichtigt werden.
Die ersten
Menschen sind zwischen 12000 und 10000 v.Chr. im Gebiet der Wildeshauser Geest
erschienen. Es waren Rentierjäger und Sammler, die eindeutig zur Gattung
Homo Sapiens gehörten. Ein Lager wurde z.B. in der Glaner Heide entdeckt.
Im 4. Jahrtausend begannen die Menschen langsam sesshaft zu werden. Aus Sammlern
und Jägern werden Bauern, und Archäologen bezeichnen diesen Übergang
als „neolithische Revolution“. Jetzt begannen die Menschen auch, für ihre
Verstorbenen gewaltige Grabanlagen zu errichteten. Während in den südniedersächsischen
Lößgebieten Ackerbau schon um 5000 v. Chr. nachweisbar ist (Bandkeramiker),
war in den weniger fruchtbaren Gegenden des Nordwestens der seit langer
Zeit ablaufende Wechsel von den Jägern und Sammlern zu den sesshaften Bauern
erst um 3500 v. Chr. soweit fortgeschritten, dass diese die gewaltige Aufgabe
des Baues von Großsteingräbern in Angriff nehmen konnten. Kleine
Familiengruppen, die ständig umherwanderten, hätten diese Arbeit niemals
bewältigen können. Dafür brauchte man fest gefügte Dorfverbände
und Haustiere wie Ochsen als Lasttiere, um die tonnenschweren Findlinge über
viele Kilometer durch unwegsames Gelände transportieren und aufbauen zu
können. Heute würde man „notwendige Infrastruktur und Logistik“ dazu
sagen (siehe
dazu auch Informationen zu den Kleinenkneter Steinen).
Damals müssen die Menschen auch intelligent genug geworden sein,
um sich Gedanken über das Leben nach dem Tod zu machen, denn derart monumentale
und dauerhafte Grabanlagen mit Grabbeigaben sind immer ein Hinweis darauf, dass
man die Toten für ein späteres Weiterleben vorbereiten wollte. Insbesondere
wenn man bedenkt, dass die lebenden Menschen damals lediglich in Holzhütten
lebten.
Die größten Anlagen wie der Visbeker Bräutigam sind ja eigentlich
nur ein riesiges Beiwerk um eine relative kleine Grabkammer und dürften
somit hauptsächlich repräsentative Wirkung gehabt haben.
Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Megalithgräber immer von mehreren
Generationen, d.h. über Jahrhunderte für die Totenbestattung im Dorf
weitergenutzt wurden. Im Grab am Schießstand in Dötlingen wurden
über 8 Zentner Scherben von keramischen Grabbeigaben geborgen, aus denen
400 Gefäße rekonstruiert werden konnten. Über die konkreten
Bestattungsrituale ist nichts bekannt. Und so gibt es heute zwei Theorien:
1. Die Toten wurden unmittelbar nach ihrem Ableben in der Grabkammer abgelegt.
Wenn Nachbestattungen notwendig waren, wurden ältere Knochen ggf. zur Seite
geräumt.
2. Die Toten verwesten an anderer Stelle, und in den Kammern wurden später
nur die Knochen abgelegt (Ossuarientheorie).
Es gab übrigens in der Trichterbecherkultur auch "normale" Erdbestattungen ohne Megalithbauwerke. Diese werden aber nur selten erkannt und oft beim Pflügen oder anderen Erdarbeiten unwissentlich zerstört. Auch diesen Gräbern wurden Keramikgefäße beigegeben. Derartige Gräber wurden z.B. in Visbek, in Dötlingen und im Emsland gefunden.
Übrigens: Den Namen „Hünenbett“ kann man sowohl von "Hünen = Riesen", als auch vom niederdeutschen „hunnebed = Totenstatt" ableiten.
Der Bau
Der Bau der Grabanlagen muss folgendermaßen
abgelaufen sein:
Für die Grabanlagen wurden hier im Nordwesten hauptsächlich riesige
Findlinge verwendet, die vor 235.000 bis 125.000 Jahren von den Gletschern der
Saale-Eiszeit aus Skandinavien kommend überall in großer Zahl abgelagert
worden waren. Man spricht da von "nordischer Geschiebemegalithik".
Die Baumeister suchten diese Findlinge sorgfältig aus, denn es wurden vorzugsweise
Steine verwendet, die an einer Seite abgeflacht waren. Diese abgeflachte Seite
wurde in der eigentlichen Kammer nach innen gerichtet, bei den großen
Umfassungsteinen der Hünenbetten aber nach außen. Die riesigen Steine
wurden dann vermutlich mit Ochsengespannen zum Bausplatz transportiert. Dazu
wurden dünne Baumstämme als Schienen und Rollen unter die Findlinge
gelegt.
Eine Theorie geht davon aus, dass am Grabplatz bereits Gruben ausgehoben worden
waren, in die die senkrecht stehenden Tragsteine eingelassen wurden. Dann mussten
Erdrampen aufgeschüttet werden, um die Decksteine oben auf die in dieser
Phase mit Erde gefüllte Grabkammer zu schleppen. Nachdem die ganze Konstruktion
fertig war, wurde die Erde aus der Kammer entfernt und der Boden der Grabkammer
meist gepflastert. Die Zwischenräume zwischen den Tragsteinen wurden mit
kleinen Steinen und Erde aufgefüllt ("Zwickelmauerwerk", schön
renoviertes Beispiel: Am Schießstand, Dötlingen). Zum Schluss wurde
das Ganze mit einem Erdhügel abgedeckt. Die Gräber Egypten in Dötlingen
und Grab 4 am Visbeker Bräutigam sind Beispiele, dass kleine Gräber
mit einem relativ voluminösen Hügel bedeckt wurden; die Rekonstruktion
des Hünenbettes 1 in Kleinenkneten zeigt, dass bei großen Steinsetzungen
vermutlich die Tragsteine frei sichtbar blieben.
Eine andere Theorie geht davon aus, dass zuerst die Decksteine auf einem Erdhügel
abgelegt wurden, und dann die Tragsteine darunter eingepasst wurden. Zum Schluss
wurde das Innere der Kammer wieder von Erde befreit.
Für beide Theorien gibt es gute Gründe.
Bei einigen wenigen Gräbern wurden Pfostengruben nachgewiesen, die darauf
hindeuten, dass zumindest für den Bau Stützbalken verwendet wurden.
Bei einem Grab (Tannenhausen bei Aurich) muss man sogar davon ausgehen, dass
der gesamte Zugang nur aus Holz errichtet worden war.
Eine Besonderheit im Nordwesten sind die sog. Tordecksteine, riesige Findlinge,
die nicht nur ihren Teil der Kammer, sondern auch einen Teil des Ganges bedeckt
haben.
Bei der Rekonstruktion des Kleinenkneter „Hünenbettes 1“ ermittelte man, dass ca. 100 Männer bei ganztägigem Einsatz ein derartiges Grab in 3 bis 4 Monaten fertig stellen konnten.
Verschiedene Arten
Es gibt drei wichtige Typen von Großsteingräbern:
Dolmen, Ganggräber und Galeriegräber, wobei man in Nordwestdeutschland meist die hier typischen Ganggräber
findet.
Dolmen sind relativ klein
(nur wenige Decksteine) und haben ihren Eingang an der Schmalseite. Dadurch
erweiterte Dolmen von kleinen Ganggräbern unterschieden werden können,
die ihren Eingang immer an der Längsseite haben. Urdolmen bestehen aus nur vier Trägern und einem
Deckstein, sie kommen nur in Skandinavien vor. Sie
wurden als der älteste Grabtyp identifiziert. Als
nächste Entwicklungsstufe ist der erweiterte Dolmen anzusehen, der aus
zwei oder drei Trägerpaaren mit Decksteinen besteht. Es
gibt auch noch den polygonalen Dolmen, bei dem das Prinzip des Urdolmens so
erweitert wurde, dass eine vergrößerte Kammer mit mehreckigem Grundriss
entsteht. Dieser Typ ist in Deutschland nur in Schleswig-Holstein und auch da
nur vereinzelt zu finden.
Ganggräber sind
größer und haben mehrere Trägerpaare mit Decksteinen. Seitlich
führt ein von kleinen Tragsteinen gesäumter, namensgebender Gang in
die Kammer. In Skandinavien sind die Kammern zwischen 4 und 7 m lang,
und die relativ langen Gänge weisen zahlreiche Tragsteine auf. Südlich
der Eider wird dieser Typ durch sehr lange Kammern (bis 27 m) mit nur kurzen
Gängen ersetzt. Oft fehlen die Decksteine der Gänge. Zahlreiche Ganggräber
sind von Umfassungssteinen umgeben. Eine Besonderheit der Ganggräber sind
die sog. Hünenbetten, bei denen die Umfassungsteine sehr groß sind,
und die gesamtanlage gigantische Ausmaße haben kann. Das Nordwestdeutsche
Gebiet bildet bezüglich der Ganggräber mit den Niederlanden eine Einheit.
Bei den jungsteinzeitlichen Steinkisten,
die in Niedersachsen unbekannt sind, sind
die Kammern in den Boden eingelassen und bestehen aus großen Steinplatten.
Sie können bis zu 30 m lang sein.
(die Steinkisten von Bargloy, Wiemelsberg etc. sind keine megalithischen Steinkisten;
sie wurden in der Bronzezeit gebaut.)
In der Wildeshauser Geest, dem Emsland und rund um Osnabrück kann man fünf unterschiedliche Arten von Großsteingräbern finden, wobei erstaunlicherweise an den Stellen, an denen mehrere Gräber nah bei einander liegen, auch immer unterschiedliche Arten anzutreffen sind.
1. riesige, rechteckiger Einfassung
mit kleiner Grabkammer (Hannoversche Kammer, Hünenbett): z.B. Visbecker
Braut und Bräutigam, bei denen erstaunlicherweise meist kein Eingang in
die Kammer zu sehen ist.
2. längliche Grabkammer mit mittig angebrachtem Eingang an der Längsseite
(lateraler Eingang) in ovaler, eng anliegender Einfassung (Emsländische
Kammer): z.B. Hohe Steine bei Wildeshausen
(wenn der Eingang an der Längsseite seitlich versetzt ist, spricht man
von Holsteiner Kammern, die im Lüneburger Raum vorkommen)
3. große Grabkammer mit mittigem Eingang an der Längsseite (lateral),
aber ohne Einfassungssteine: z.B. Heidenopfertisch, Brautwagen
4. Trapezförmige Grabkammer mit Eingang an der Längsseite: z.B. Ahlhorner
Kellersteine II
5. Grabkammer in einem Erdhügel: z.B. Egypten, Grab 4 beim Bräutigam
6. (ohne Bild) Dolmen, Grabkammer mit maximal drei Decksteinen und Eingang an
der Strinseite (axialer Eingang). Dolmen sind in Nordwestdeutschland die seltenste
Grabform.
Die Zerstörung
Obwohl die gesamte Geest überreichlich mit Findlingen aller Größen
gesegnet ist, müssen Anhäufungen von Steinen, wie sie die Großsteingräber
darstellen, für Menschen, die Baumaterial benötigen, wie ein praktischer
Selbstbedienungsladen wirken.
Zumal anzunehmen ist, dass derartige heidnische Bauwerke („Opfertisch“) während
der Christianisierung Norddeutschlands den Missionaren bestimmt ein Dorn im
Auge waren. In den letzten Jahrhunderten haben bestimmt viele Gräber ganz
einfach den Bauern bei der Erschließung neuer Felder im Wege gestanden.
Die Steine wurden zerkleinert, um als Straßenunterbau zu dienen, oder sie wurden als Ganzes in Kirchen- und Hausfundamente, Grundstückseinfriedungen, in Denk- und Ehrenmälern eingebaut und nicht zuletzt an die Küsten verkauft, wo sie bei Hafen- und Deichbau sehr gefragt waren. So werden auch viele Steine in die Niederlande geschafft. 1728 verbietet die Hannoversche Regierung den Export von Hünensteinen. Im großen Stil wurden Großsteingräber zwischen 1810 und 1813 im Auftrag von Napoleon geplündert, der Steine zum Bau seiner Heerstraßen benötigte und sie dafür z.B. von Stenum bis Osnabrück schaffen liess.


Fundamente eines Schafkobens
am Ahlhorner Rüspelkämpe. Der Stein im Vordergrund in der Mitte zeigt
Reste eines Sprengloches.
Die Großsteingräber, die heute noch vorhanden sind, sind alle irgendwie geschädigt. Bei nahezu allen fehlen kleinere Einfasssteine, Trag- oder sogar einzelne Decksteine. Wo diese zu groß zum Abtransport waren, versuchte man sie zu sprengen (siehe spezielle Seite über Sprengversuche).
Besonders traurige Reste dieser Grabräuberei in der Wildeshauser Geest sind die Gräber in Ahlhorn (Bakler Berg), bei Huntlosen und Grab 3 in Steinkimmen. Aber auch in allen anderen Gebieten wurden Megalithgräber in großem Stil zerstört.
Dass überhaupt noch Großsteingräber erhalten sind, verdanken wir a) der Tatsache, dass die Geest als unfruchtbare Gegend immer relativ dünn besiedelt war, und es genügend andere Findlinge gab, b) viele Gräber in relativ unwegsamem Gelände liegen, sie c) vermutlich durch Aberglauben geschützt waren und sie d) bereits relativ früh unter Schutz gestellt worden sind.
1819 erließ die Herzogliche Kammer zu Oldenburg
die erste Verordnung, derzufolge Großsteingräber und Grabhügel
möglichst erhalten und vor Zerstörungen bewahrt werden sollten. Denn
schon damals musste man feststellen, dass ihre Zahl rapide abnahm. Nach 1820
wurde angeordnet, dass die Grabanlagen mit einem Erdwall einzufrieden seien
und die nächste Umgebung zu bepflanzen sei. Es folgten 1911 ein oldenburgisches
und 1979 das erste niedersächsische Denkmalschutzgesetz.
Auch die Landdrostei Osnabrück, eine Instanz der Hannoverschen Regierung, stellte das Wegschaffen der Hünensteine 1825 unter Geldstrafe.
1895 hatte man im Herzogtum Oldenburg noch 150 Steindenkmäler registriert, 1975 waren es nur noch 56; d.h. 94 waren trotz Denkmalschutz in 80 Jahren zerstört worden. Die Reckumer Steine etwa sind die letzten beiden erhaltenen Megalithgräber einer ehemals größeren Gruppe. Und auch der Wohnplatz Hölingen besaß früher mehrere Großsteingräber. Wahrscheinlich fielen sie der Errichtung der Harpstedter Friedhofsmauer zum Opfer.
Aber auch in heutiger Zeit beschädigen bösartige Zeitgenossen die alterwürdigen Anlagen. Einzelne Steine werden gestohlen oder in den Kammern werden Lagerfeuer angezündet, die die Decksteine schädigen. --> Beispiele von heutigem Vandalismus
Die meisten Großsteingräber befinden sich heute in Staatsbesitz (Landes-Forstämter); Ausnahmen werden bei den Grabbeschreibungen erwähnt.
der
Verkauf
In 2007 kamen Informationen auf, dass
Naturdenkmäler, die sich im Besitz des Landes Niedersachsen befanden, zum
Verkauf angeboten wurden. Dabei handelte es sich z.Z. ausschließlich um
Objekte aus dem Bereich des Forstamtes Neuenburg. Die Großsteingräber
in Steinkimmen und Stenum wurden an die Gemeinde Ganderkese verkauft, die Gemeinde
prüfte auch, den Heidenwall von Delthun zu erwerben. Darüber
hinaus wurde eine Wallanlage bei Wiefelstede an eine Privatperson verkauft,
nachdem die Gemeinde ihr Kaufinteresse zurückgezogen hatte.
Fotos: Hünensteine 1 in Steinkimmen
(927, oben links), Stenum (930, rechts) und Sandhatten (926, unten links)
Ich habe Anfang 2008 Rücksprache mit
dem Forstamt Ahlhorn gehalten, in dessen Zuständigkeitsbereich Kostbarkeiten
wie Visbeker Braut und Bräutigam, Glaner Braut etc. liegen. Die Leiterin
des Forstamtes, Frau Dörrie, hat mir bestätigt, dass es beim Forstamt
Ahlhorn keinerlei Verkaufsabsichten gibt.
M. Haking von den Niedersächsischen
Landesforsten in Braunschweig teilte mir im Februar 2008 mit, dass es sich bei
den bisherigen Verkäufen um sog. "Streubesitz" gehandelt habe,
d.h. um kleine Einheiten, die keine Anbindung an große Landesforsten hatten,
und dass die Verkäufe auf Wunsch der Gemeinde zustande gekommen seien.
Jeder Verkauf sei als Einzelfall zu betrachten.
Wer nun aber gedacht hatte, die Angelegenheit sei damit erledigt, wurde Ende September 2008 eines besseren belehrt. Die Presse meldete den Verkauf des Großsteingrabes Steenberg (Sandhatten) durch das Forstamt Neuenburg an die Gemeinde Hatten. Schon wieder ein Einzelfall! Der Bürgerverein Sandhatten hat am 20.9. die Pflege des Großsteingrabes übernommen.
Schutz:
Bereits 1819 erließ die Herzogliche
Kammer zu Oldenburg die erste Verordnung, derzufolge Großsteingräber
und Grabhügel möglichst erhalten und vor Zerstörungen bewahrt
werden sollten. Das Herzogtum Oldenburg kaufte in den folgenden Jahren die meisten
Grundstücke, auf denen sich Großsteingräber befanden, um eine
drohende Zerstörung zu verhindern. Heute scheint - zumindest in einigen
Fällen - der umgekehrte Weg begangen zu werden. Zwar sind die Anlagen durch
das niedersächsische Denkmalschutzgesetz von 1979 geschützt, und der
Verkauf an eine Gemeinde zählt gewiss zu den kleineren Übeln, jedoch
gehört es nach Meinung des Autors auch heute zu den vornehmsten Pflichten
des Staates und auch des Landes Niedersachsen, Kulturgüter für die
Allgemeinheit zu schützen und zu erhalten!
Eine seltsame Theorie:
Hermann Anton Hibbeler (1884 - 1963) war Volkschullehrer in Lethe bei Ahlhorn
und begeisterter Megalithgrabforscher. Er stellte wohl als erster die Theorie
auf, dass die großen Steinsetzungen wie Braut und Bräutigam u.a.
in Wirklichkeit keine Gräber, sondern "Götterhäuser"
gewesen seien. Ähnlich wie bei den traditionellen Schafkoben sollen die
großen Findlinge lediglich das Fundament gebildet haben, auf dem
der hölzerne Dachstuhl mit Stroh- oder Heideplaggendeckung ruhte. In den
dreißiger Jahren wurde die Idee insbesondere von dem damals einflussreichen
Archäologen Hermann Wille übernommen; sie gilt jedoch heute als nicht
mehr haltbar.
Hibbeler soll auch als erster die Rekonstruktion der Kleinenkneter Grabes geplant
haben, aber auch diesen Ruhm machten ihm andere streitig.
Zeittafel
Bezeichnung |
Zeitspanne |
Bemerkungen |
Altsteinzeit = Paläolithikum |
12000-8000 v. Chr. |
Eiszeit |
Mittlere Steinzeit = Mesolithikum |
8000-4000 v. Chr. |
Ende der Eiszeit |
Jungsteinzeit = Neolithikum |
4000-2000 v. Chr. |
3500-2700 v. Chr. Großsteingräber der Trichterbecherkultur in der Wildeshauser Geest und in Nordwestdeutschland |
Bronzezeit |
2000 - 600 v. Chr. |
Hügelgräber in der Wildeshauser Geest |
vorrömische Eisenzeit |
600 - 0 v.Chr. |
|
römische Kaiserzeit |
0 - 375 |
|
Copyright: B. Rothmann V 2, zuletzt geändert am 6.8.10