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58. Großsteingrab am Giebichenstein, "Teufelsbett", westlich
von Stöckse, (+),
Sprockhoff-Nr. 813
Das
einzige mir bekannte Großsteingrab in der Umgebung Nienburgs
ist das Grab am Giebichenstein. Man erreicht es, wenn man von
Nienburg nach Osten fährt. Am Ortseingang von Stöckse
verläßt man die Landstraße und fährt auf einer
kleinen Straße/Waldweg zurück nach Südwesten, wobei
man der Ausschilderung zum "Giebichenstein" folgt.
Das Grab ist stark zerstört; es fehlen alle Decksteine. Diese fehlen auch schon in einer Skizze von 1867, die aber noch einen deutlichen Resthügel erkennen läßt, der heute ebenfalls verschwunden ist. Die Zerstörung des Grabes wird den Soldaten Napoleons nachgesagt, die die Steine 1780 für den Bau von Heerstraßen nutzten.
Bei der offiziellen Untersuchung des Grabes 1967-69 konnten noch Reste von Zwickelmauerwerk aus gespaltenen Granitplatten zwischen den Tragsteinen festgestellt werden. Außerdem fand man auf dem ursprünglichen Boden der Kammer noch braun verfärbte Querstreifen, die so gedeutet wurden, dass sie von Sickerwasser herrühren, das zwischen den Decksteinen in das Grab getropft ist. Demzufolge hat die Kammer einmal fünf Decksteine besessen, die 2,3-2,5 x 3-3,5 m groß waren, und war von einem hohen Hügel bedeckt. Der Hügel wiederum war von einer Steinreihe begrenzt.
Im Grab wurden keine neolithischen Funde gemacht. Andere Befunde beweisen, dass das Grab sowohl in der Bronzezeit, als auch im 9. Jahrhundert n. Chr. ausgeräumt und nachgenutzt worden ist.
Die kleine Skizze gibt die Lage der Steine wieder, wie Sprockhoff sie 1927 verzeichnet hat. Die
größere Skizze unten zeigt ihre heutige Lage, wobei die bläulichen Steine später hinzugefügt wurden und nicht zum ursprünglichen Grabbefund gehörten.
Position:
Garmin: N 52° 37,992’, E 9° 18,921’; Google Earth: 52° 37’ 59,50“ N, 9°
18’ 55,26“ O
Der Weg zum Grab mit Google-Maps |
Nahe beim Großsteingrab
liegt der Giebichenstein, mit 7,50 x 4,50 x 3,50 m Niedersachsens
größter Findling. Er soll 330 t wiegen, und hat den Menschen
der Jungsteinzeit bestimmt bei allen Versuchen widerstanden, ihn
zu bewegen. Der Stein besteht aus Gneis-Granit und dürfte
wohl 1 Milliarde Jahre alt sein. Die Gletscher der Saale-Eiszeit
haben ihn vor ca. 200.000 Jahren nach Stöckse transportiert.
Da der Stein schon in grauer Vorzeit eine sichtbare Landmarke gewesen
sein muss, wurden in seiner Nähe außer dem o.g. Großsteingrab
auch mehrere Hügelgräber errichtet (Gräberfeld "Sieben Berge").
Um den Stein ranken sich zahlreiche Legenden. Eine handelt vom Zwergenkönig Giebich oder Hübich, der mit seinem Volk unter dem Stein wohnte und den Menschen in den Dörfern stets geholfen hat, bis dumme Menschen die Zwerge vertrieben.
Andere Legenden bezeichnen den Riesenfindling als Opferstein, aber Grabungen rund um den Stein ergaben keine Hinweise auf rituelle Handlungen.
Man fand allerdings in seiner unmittelbaren Umgebung deutliche Spuren eines späteiszeitlichen Lagers von Rentierjägern, die vor 13000 Jahren dort lagerten und Werkzeuge aus Feuerstein herstellten.
Rund um den Giebichenstein führt ein archäologischer Lehrpfad zu allen vorgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten.
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